Zur Geschichte eines Hunsrückhauses.

Inzwischen sind nun auch schon vier Jahre vergangen seit wir mit der Renovierung unseres Nachbarhauses begonnen haben. Es gab Auf und Abs und bei all der Arbeit auch sehr viel Zeit sich mit dem Haus  zu beschäftigen. Heute möchte ich etwas von der Geschichte des Hauses erzählen und ich möchte dazu ganz, ganz vorne beginnen.

Am Meeresgrund

Es ist ein heißer Tag. Um die Mittagszeit bricht sich das gleißende Sonnenlicht hart an der Wasseroberfläche. Ruhig zieht ein 10 Meter langer Panzerfisch seine Bahnen im tropischen warmen Wasser eines kaum 200 Meter tiefen Meeres. In diesem Meer südlich des Äquators bevölkern Trilobiten, Seelilien, Schlangensterne und mach andere bizarre, längst ausgestorbene Kreatur das nährstoffreiche Wasser.

Unter dem quirligen Leben der devonischen See vor 400 Mio. Jahren schiebt ein mächtiger Fluss Sand, Ton und Schlick als Fracht seiner Reise aus den Gebirgen des Kontinents Laurussia weit ins Meer hinaus. Das urzeitliche Hunsrückmeer trennt damals den nördlichen Kontinent Laurussia vom südlich gelegenen Kontinent Gondwana.

Der Schlamm des Flusses singt langsam auf den Meeresgrund. Die Meeresströmung  trennt schließlich die sandigen von der tonhaltigen Bestandteile. Während die tonige in die Mulden absinken und diese langsam auffüllen, bedecken die sandigen Anteile die Kämme des Ozeanbodens.

Im Verlauf der Jahrmillionen werden die Sedimente zunächst von ihrem Eigengewicht, dann durch geologische Kräfte verdichtet, geformt und gefaltet.

Aus den Sanden entstand schließlich ein harter, buntgemusterter Stein der seinen Namen vom östlichen Geschwistergebierge des Hunsrücks erhalten hat: Der Taunusquarzit.

Dieser Stein bildet den Rücken des Hunsrücks. Die Jahrmilionen vergehen und das harte Gestein trotzte Wind und Wasser bis es schließlich in der letzten Eiszeit einem starken Wechsel von Frost und Erwärmung ausgesetzt ist. Dieser Wechsel sprengte größere und kleinere Brocken aus dem Quarzitfelsen heraus. An den Hängen der Felsen bildeten sich Geröllhalden, die sogenannten Rosselhalden. Nur wenig oberhalb des Ortes Abentheuer befindet sich eine solche Felsgruppe mit der Louisenruhe, Minafelsen und Beifels. Es ist leicht nachvollziehbar, dass die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten die Rosselhalden als natürliche Steinbrüche benutzen. So wurde dann auch der ehemalige Wirtschaftsteil von Café Abentheuer aus dem 400 Mio. Jahre alten Quarzit des Urzeitozeans gebaut.

Quarzit im Hunsrückhaus
Während der Entstehung des Quarzits drangen Salze in das noch weiche Gestein. Dies Blühten dann zu dem farnartigen Muster aus.
Bruchsteinwand
Während der Umbauarbeiten: Beeindruckend die 70 cm dicken Wände aus Taunusquarzit
Die Giebelseite mit Anbauten mit Schiefer zugeschlagen. Um 1920.
Fossil aus Bundenbach, Fossilienmuseum Grube Herrenberg

Das schwarze Gold des Hunsrück

In den Senken des Ozeanes lagere sich Schicht für Schicht wie die Jahresringe eines Baumes die tonigen Bestandteile des Vorzeitflusses ab. Immer wieder sanken tote Tiere auf diese Ablagerungen, wurden von weiterem Schlick luftdicht eingeschlossen und blieben an einigen günstigen Standorten wie Bundenbach, Herrstein oder Gemünden als Fossilien erhalten. So wissen wir heute recht genau, welche Tiere im Devon den Hunsrück bevölkerten.

Auch diese Ablagerungen überdauerten die folgenden 400 Mio Jahre, wurden verdichtet und zum Teil gefaltet und bildeten den Schiefer, der dem Rheinischen Schiefergebierge seinen Namen gab. An der Ausdehnung des Gebirges über Ostfrankreich und Belgien über Eifel und Hunsrück bis in den Taunus, Westerwald und Süder Bergland lässt sich noch heute die einzige Ausdehnung der Wasserfläche erahnen. Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Kontinentaldrift die Fläche des Urzeitmeeres auf ungefähr die Hälfte ihrer ursprünglichen Ausdehnung komprimiert hat.

Durch seine schichtweise Ablagerung lässt sich der Schiefer sehr gut in dünne Platten aufspalten. So eignen sich die Platten dann hervorragend um Dächer und Fassaden einzudecken. Die silbrig grauen Schiefereindeckungen sind besonders typisch für die ländliche Architektur des Hunsrücks.

In den Everglades des Perm vor 280 Mio Jahren

Allmählich hebt sich der Meeresboden, fällt trocken und wird mit der Drift der Kontinentalplatten nach Norden geschoben. Inzwischen liegt der Hunsrück nahe der Ostküste des Megakontinents Pangäa. Der Rücken aus Taunusquarzit bilden einen steilen Kamm und beschirmt so eine darunter liegende Ebene. Diese Fläche ist durchzogen von einer Fluss- und Seenlandschaft und bildet heute das Saar-Nahe – und Nordpfälzer Bergland. Die Landschaft ist geprägt von palmähnlichen Pflanzen wie dem Schachtelhalm, von Farnen und der Vorgängern der Nadelbäumen. Die Gewässern beleben Süsswasserhaie und großwüchsige Amphibien.

Das Klima ist tropisch und wird von starken Monsunregenfällen geprägt. So beginnt erneut der Prozess von Verwitterung durch Wasser und Wind und aus Fels wird Geröll, aus Geröll wird Sand. Die Monsunregen schwemmten den Sand in das ausgedehnte Flusssystem.  Dort wo die Strömung sich verlangsamt, lagert sich der Sand zu mächtigen Sandbänken ab. Wiederum wird das Sediment verdichtet und zu Sandstein verpresst. Aus diesem Sandstein wurden der ehemalige Wohnteil sowie die Schmuckeinfassungen und Fassadenelemente von Café Abentheuer errichtet.

Ein Überbleibsel des urzeitlichen Waldes haben wir in Form von versteinertem Treibgut aus Holz beim Brechen der Außentür im Obergeschoss des Haupthauses geborgen.

Jüngeren geologischen  Alters ist der im Haus verbaute Lehm. Dieser entsteht auch heute durch die Verwitterung von Gestein. Mit dem Holz aus den Wäldern des Hochwalds ist unser Haus auch ein Fenster in den Naturraum um die Erdgeschichte des Hunsrücks..

Versteinertes Treibholz im permzeitlichen Sandstein

Insider-Tipp

Die faszinierende Welt des Perm kannst Du im Urzeitmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg bei Kusel nacherleben.

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